Alle großen Zeitungen schrieben darüber, Unterschriftenlisten wurden verfertigt und Aufrufe. Deutschlands bekanntester Kurator, Kasper König soll ein Rassist sein. So hieß es. Doch wer sich die zweieinhalbstündige Aufnahme seiner Diskussion bei den Münchner Kammerspielen anschaut und sich dann durchliest, was durch den Shitstorm im Internet tobte, der muss schnell feststellen, dass das Eine mit dem anderen nur wenig zu tun hat. Die Künstlerin, mit der er diskutierte, will im Verhalten Königs “toxische Männlichkeit” und eine gewaltsame Haltung ihr gegenüber wahrgenommen haben. Auch befürwortete sie, eine spätere Veranstaltung des Kurators zu stören und riet dem Theater künftige Veranstaltungen mit Kasper König doch gleich ganz zu verbieten. Sympathie gab es im Feuilleton. In einer Zeitung verstieg sich die Autorin gar dazu, die Sitzhaltung von Kasper König auf der Bühne als diskriminierend zu bewerten. Wir haben mit dem Kurator in Berlin gesprochen und mit einer Expertin für antirassistisches Kuratieren, der Berliner Organisation Diversity Arts Culture und dem Hamburger Publizisten Günther Jacob. Der Fall König ist gar kein Fall und symptomatisch, wie derzeit Debatten geführt werden. Unser Film, der am Freitag vor Weihnachten in der KULTURZEIT auf 3SAT lief, ist jetzt in unserer Rubrik “Filme” online.