Tagelang hatten wir versucht, ein Interview mit der türkischen Generalkonsulin in Mainz zu vereinbaren. Sie hatte gegen die Ausstellung des kurdisch-türkischen Künstlers Ali Zülfikar protestiert und dem Bürgermeister von Linz am Rhein einen erbosten Brief geschrieben. Er sollte dafür sorgen, dass Zülfikars Bild nicht ausgestellt wird. Das zeigt ein Porträt von Erdogan, in dessen Sonnenbrille sich der Krieg in Syrien spiegelt. Auch hält der Staatspräsident einen Koran in der Hand, auf dem seine Finger blutige Abdrücke hinterlassen haben. Der Bürgermeister kam zunächst der Bitte nach und ließ das Bild umdrehen. Darüber äußern will er sich nicht. Weil uns auch kein Interview mit der türkischen Generalkonsulin gelang – sämtliche Fragen wurden ignoriert -  wollten wir zumindest das Gebäude in Mainz filmen, in dem sie residiert. Dabei wurden wir Zeugen einer seltsamen Charade. Die Generalkonsulin, die zwecks eines Termins aus dem Haus wollte, scheute unsere Kamera. Türkische und deutsche Sicherheitskräfte telefonierten aufgeregt. Statt ihrer wurde schließlich eine Konsulatsmitarbeiterin in die Dienstlimousine gesetzt, die als Double davon fuhr, während das “Original” durch einen anderen Ausgang das Weite suchte. Warum? Schlechtes Gewissen wegen des türkischen Kampfes gegen die in Deutschland existierende Kunstfreiheit. Hinter den politischen Kulissen wird kräftig versucht, diese außer Kraft zu setzen, aber dazu äußern will man sich nicht. Die Ausstellung in Linz ist nicht die einzige, bei der der türkische Staat in den letzten Wochen massiv versucht hat, Aussteller und Künstler in ihrer Arbeit zu behindern. Neben Linz am Rhein war dies in Wiesbaden bei der Biennale der Fall und zuletzt auch in Duisburg. Wir sprechen mit Ausstellungsmachern, Künstlern und einem Bürgermeister, der sich dafür entschied, Kunst abbauen zu lassen, um die “öffentliche Sicherheit” zu wahren. Alles dies, in der KULTURZEIT am 04. Dezember um 19.20 Uhr