Ein Saal am Stadtrand von Fulda. Junge Gesichter, klare Parolen, gespannte Erwartung. Hier gründet sich der Landesverband Hessen der „Generation Deutschland“, der neuen Parteijugend der Alternative für Deutschland. Ein Moment, der nach Aufbruch aussieht – und doch von Anfang an unter Spannung steht. Der Film ist nah dran: an den Reden, den Blicken, den Selbstbildern. Er zeigt junge Menschen, die sich als politische Avantgarde verstehen, als „Kaderschmiede“ für eine Partei im Aufwind. Worte wie Patriotismus, Identität und Ordnung fallen oft – getragen von dem Anspruch, das Land zu verändern. Draußen der Gegenprotest, drinnen das Gefühl, missverstanden zu sein. Zwischen diesen Polen bewegt sich die Kamera. Sie trifft auf Jean-Pascal Hohm, den Bundesvorsitzenden, der den Kurs vorgibt. Und auf Nafiur Rahman, Sohn bengalischer Einwanderer, der an diesem Tag zum Landesvorsitzenden der Generation Deutschland in Hessen gewählt wird – und damit selbst Teil einer Erzählung wird, die die Bewegung über sich verbreitet. Doch unter der Oberfläche wächst ein Widerspruch: Die AfD versucht, ihre Jugend enger an sich zu binden – auch, um sie besser kontrollieren zu können? Nach der aufgelösten „Jungen Alternative“, die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft wurde, soll diesmal alles anders sein. Aber genau darin liegt das Risiko. Denn was hier entsteht, ist kein harmloser Nachwuchs. Es ist eine politische Generation, die sich selbst als Vorhut begreift. Die radikaler spricht, entschlossener auftritt als die Mutterpartei – und damit genau das verstärken könnte, was für die AfD zur Belastung wird. So sieht das zumindest der Politologe Wolfgang Schröder. Er beschreibt die Generation Deutschland als „programmatisches Labor“ und „Radikalisierungsmaschine“. Eine Dynamik, die sich nicht einfach steuern lässt. Der Film beobachtet diesen Drahtseilakt: zwischen Inszenierung und Überzeugung, zwischen Strategie und Eigendynamik. Er trifft einer Reinhild Goes, die wieder will, dass Frauen “auch zu Hause bleiben können” und der Mann der “Alleinverdiener “ist. In Rheinland Pfalz war Pascal Bähr viele Jahre in der AfD und einer der Köpfe der Jungen Alternative. Nun hat er sich von der Partei getrennt. Wie schaut er auf die neue Jugendorganisation? Für den Verfassungsschutz in Brandenburg hat sich nichts verändert. So wie ihre Vorgängerorganisation, so sei auch die Generation Deutschland rechtsextrem. Wer prägt in Zukunft eigentlich wen – die Partei ihre Jugend oder die Jugend die Partei? Eine Geschichte über Macht, Einfluss – und über eine Bewegung, die dabei ist, sich selbst zu erfinden. Unser Film lief am Dienstag, den 21. April 2026 in der KULTURZEIT auf 3Sat.

