Eva Pusztai hat Auschwitz-Birkenau überlebt. Die 88jährige lebt in Budapest und bereitet gerade mit ihrem Anwalt Thomas Walther eine Nebenklage vor. Wir haben Beide in Ungarn besucht. Einem in den USA lebenden ehemaligen KZ-Wachmann soll der Prozess gemacht werden – wegen Beihilfe zum Mord. Das ist erst seit dem Prozess und Urteil gegen John Demjanjuk im Jahr 2011 möglich. Denn all die Jahre zuvor war die Justiz der Meinung, dass die KZ-Wächter aus einem Befehlsnotstand heraus gehandelt hätten. Nur der, dem direkt ein Mord nachgewiesen werden konnte, musste fürchten, vor Gericht zu landen. Nun hat die Zentrale Stelle in Ludwigsburg ihre Karteikarten durchgeschaut und 30 Verfahren gegen die letzten noch lebenden und ausfindig gemachten KZ-Wächter von Auschwitz-Birkenau an die zuständigen Staatsanwaltschaften abgegeben. Ein Skandal, so sagt der renommierte niederländische Jura-Professor Frits Rüter. Es gehe den Behörden darum, die jahrelang gemachten Fehler zu verdecken. Nach rechtsstaatlichen Prinzipien seine diese Prozesse nicht mehr zu führen. Die meist über 90 Jahre alten Angeklagten könnten nicht mehr auf Entlastungszeugen zurückgreifen, die Erinnerungen seien verwischt und auch dem Legalitätsprinzip könne man nicht jahrzehntelang Anklagen unterbinden, um dann eine 180 Grad-Wendung zu machen. Und so ist die Geschichte der “letzten Prozesse” auch eine Geschichte der bundesdeutschen Justiz und deren Beschäftigung mit den Taten des Dritten Reichs. Unser Film läuft auf 3SAT um 19.20 Uhr in der KULTURZEIT am kommenden Freitag, den 29. November 2013.
