Die Berliner Journalistin Fatina Keilani schrieb vor Kurzem in ihrer Kolumne über Empörungsnachschub und antirassistische Geschäftsmodelle. Kurz danach stand sie mitten in einem Twitter-Shitstorm. Ihr Text sei “rassistische Scheisse” und selbst mit dem” N-Wort” wurde sie bedacht. So schrieb jemand, Keilani sei ein Hausn**** des Tagesspiegel. Statt sich sachlich mit den Argumenten der Journalistin auseinander zu setzen, reagierten viele Aktivisten mit Empörung, forderten gar ihre Entlassung. Doch solche Empörung, so sagt Bernd Stegemann, sei ein schlechter Berater, was ein Blick in die Geschichte schnell zeige. Der Dramaturg und Essayist hat gerade eben sein Buch “Die Öffentlichkeit und ihre Feinde” veröffentlicht. Darin untersucht er eine Gesellschaft, deren Meinungskorridore immer enger werden und die Gefahr läuft, ihre Freiheit zu verlieren. Das befürchtet auch die Frankfurter Ethnologin Susanne Schröter, die unter ihren Studenten beobachtet, dass immer häufiger eigene Betroffenheit Argumente ersetze. Schröter hat deshalb das Netzwerk Wissenschaftsfreiheit mitbegründet. Auch das löste sogleich Beißreflexe aus – hier würden Wissenschaftler rechts abbiegen. Die bekannte Politologin Emilia Roig hingegen verteidigt Identitätspolitik als notwendig, um marginalisierten Gruppen Gehör zu verschaffen. Doch helfen Quotierungen und verordnete Sprachveränderungen wirklich? Was die Auseinandersetzung im Netz angeht, scheint jedenfalls jedes Maß verloren zu gehen. Aktivisten wie Zuher Jazmati sehen das mittlerweile ähnlich. Toxische Cancelculture und Twitterstürme scheinen kein Weg, Rassismus abzuschaffen – miteinander streiten und diskutieren jedoch schon. Unser Film zu Buch und Debatte läuft in der KULTURZEIT am Mittwoch den 10. März um 19.20 Uhr auf 3SAT.
